{"id":2446,"date":"2014-12-21T12:39:24","date_gmt":"2014-12-21T10:39:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schbazl.de\/wordpress\/?p=2446"},"modified":"2014-12-21T12:39:24","modified_gmt":"2014-12-21T10:39:24","slug":"die-adventskerze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schbazl.de\/wordpress\/die-adventskerze\/","title":{"rendered":"Die Adventskerze"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/schbazl.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/DSC_1656_tonemapped_klein.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2448\" src=\"https:\/\/schbazl.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/DSC_1656_tonemapped_klein.jpg\" alt=\"Christbaumkugel\" width=\"920\" height=\"613\" srcset=\"https:\/\/schbazl.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/DSC_1656_tonemapped_klein.jpg 920w, https:\/\/schbazl.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/DSC_1656_tonemapped_klein-150x99.jpg 150w, https:\/\/schbazl.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/DSC_1656_tonemapped_klein-300x199.jpg 300w, https:\/\/schbazl.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/DSC_1656_tonemapped_klein-450x300.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 920px) 100vw, 920px\" \/><\/a>Es war Vorweihnachtszeit und bei vielen Menschen Tradition, ein Adventsgesteck oder einen Adventskranz zuhause aufzustellen.<br \/>\nDie, die es schlicht mochten, nahmen daf\u00fcr eine dicke Kerze und legten etwas Tannengr\u00fcn und ein paar Beeren des Waldes drumherum. Andere verzierten ihre Gestecke viel gro\u00dfz\u00fcgiger und man sah gro\u00dfe, wundersch\u00f6ne Schleifen und Sterne, die beim Anz\u00fcnden der Kerzen glitzerten und funkelten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Immer h\u00e4ufiger l\u00f6sten heute moderne LED-Kerzen die normalen und herk\u00f6mmlichen Kerzen aus Wachs ab. Bei den LED-Kerzen gab es nur einen kleinen Schalter und schon brannte ein kleines k\u00fcnstliches Licht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war der erste Adventssonntag.<br \/>\nDer Fr\u00fchst\u00fcckstisch war sch\u00f6n gedeckt und frische Br\u00f6tchen standen auf dem Tisch. Ein wundersch\u00f6ner Adventskranz aus duftendem Tannengr\u00fcn mit vier dicken roten Kerzen und Schleifen stand genau in der Mitte des Tisches, wo sonst immer Butter, Aufschnitt und Marmelade standen.<br \/>\nEin kleines rotes Deckchen mit aufgestickten goldenen Schleifen lag unter dem Adventskranz. Das diente nicht nur der Zierde, sondern man wusste ja nie, ob nicht doch mal etwas Wachs tropfte, oder die Tannennadeln zu schnell vertrockneten und anfingen zu rieseln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine Mutter hatte mich und meinen Bruder geweckt. Mein Bruder, etwas \u00e4lter als ich, guckte wie immer am Morgen v\u00f6llig verschlafen in die Welt. Eigentlich hatte er weder Lust aufzustehen, noch gute Laune zu zeigen. Er war ein Morgenmuffel, der nach dem Aufstehen m\u00f6glichst seine Ruhe haben wollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich, ein sechsj\u00e4hriges M\u00e4dchen mit schulterlangen mittelbraunen Haaren dagegen war wach und innerhalb von Millisekunden ganz da und voller Tatendrang.<br \/>\nEs war doch Advent und heute durfte die erste Kerze angez\u00fcndet werden. Schnell lief ich ins Bad, mehr als Katzenw\u00e4sche w\u00fcrde es heute aber nicht geben, und sprang die Treppe herunter, immer 2 Stufen auf einmal. Wie gut, dass mich keiner sah, denn sp\u00e4testens das w\u00fcrde \u00c4rger geben. Man h\u00fcpfte nicht die Treppe herunter, auch wenn die Haare dabei noch so sch\u00f6n wippten, man ging vorsichtig und das Stufe f\u00fcr Stufe.<br \/>\nEiner Sechsj\u00e4hrigen fiel das aber auch immer erst dann wieder ein, wenn sie unten angekommen war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich lief in die K\u00fcche.<br \/>\nEigentlich und an normalen Sonntagen wurde hier der Fr\u00fchst\u00fcckstisch gedeckt.<br \/>\nEs gab viele viele normale Sonntage, aber nur ganz wenige besondere Sonntage.<br \/>\nBei einem Geburtstag, oder auf Ostern, das waren so besondere Sonntage, fr\u00fchst\u00fcckten wir im Esszimmer.<br \/>\nAllein daran, ob jetzt in der K\u00fcche oder im Esszimmer gefr\u00fchst\u00fcckt wurde, konnte ich schon merken, ob ein besonderer Sonntag war, falls ich es vergessen hatte.<br \/>\nHeute war der K\u00fcchentisch leer.<br \/>\nIch \u00f6ffnete also die T\u00fcr zum Esszimmer und fand den ersten Adventsfr\u00fchst\u00fcckstisch in diesem Jahr vor, was schon wieder etwas Besonderes war.<br \/>\nIch war ja erst sechs und an so viele Adventsfr\u00fchst\u00fcckstische in meinem Leben konnte ich mich noch nicht erinnern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meinen Platz, ich sa\u00df immer rechts von Papa, hatte ich schnell gefunden. Jeder wusste wo er hin sollte, was man an den unterschiedlichen Fr\u00fchst\u00fccksbrettchen ausmachen konnte. Mein Bruder sa\u00df mir gegen\u00fcber und neben meiner Mutter. Wer diese Ordnung mal eingef\u00fchrt hatte wei\u00df ich nicht, aber wir f\u00fchlten uns wohl dabei. Wir Kinder hatten Brettchen mit Sesamstra\u00dfen-Motiven. Mein Bruder hatte Bert und ich Ernie. Die Erwachsenenbrettchen waren schlicht kariert, eins in rosa f\u00fcr Mama und eins in blau f\u00fcr Papa. Heute, zur Feier des Tages, standen f\u00fcr die Erwachsenen aber Teller aus Porzellan bereit.<br \/>\nMein Ernie-Brettchen fand ich toll. Ich mochte den Ernie, der immer so witzig kicherte. Bert war oft so ernst und verdrehte die Augen, wenn Ernie Bl\u00f6dsinn gemacht hatte. Der passte viel besser zu meinem Bruder, der mir gegen\u00fcber auch \u00f6fters die Augen verdrehte, wenn ich etwas ausgeheckt hatte.<br \/>\nSo setzte ich mich an meinen Platz und wartete da drauf, dass auch der Rest der Familie an den vorweihnachtlich gedeckten Tisch mit dem sch\u00f6nen Adventskranz und den extra dazu gelegten Weihnachtsservietten kam.<br \/>\nMama holte noch kurz den hei\u00dfen Kakao f\u00fcr uns Kinder und endlich waren wir alle beisammen.<br \/>\nMama griff in ihre Sch\u00fcrze, die sie immer trug, wenn sie in der K\u00fcche gewerkelt hatte und bef\u00f6rderte ein kleines Streichholzk\u00e4stchen aus einer der Taschen heraus.<br \/>\nDieses kleine Streichholzk\u00e4stchen wurden geh\u00fctet wie ein Augapfel.<\/p>\n<p>Mein Vater hatte schon oft zu uns gesagt, wie gef\u00e4hrlich Feuer in Kinderh\u00e4nden ist und dass es auch immer wieder Unf\u00e4lle mit Br\u00e4nden gegeben hatte. Heimlich und vor lauter Neugierde hatten die Kinder ein Streichholz angez\u00fcndet und vor Schreck vor den z\u00fcndelnden Flammen das St\u00e4bchen fallen gelassen .<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8220;Messer, Gabel, Schere, Licht taugt f\u00fcr Kinderh\u00e4nde nicht&#8221;. Dieser Spruch kam dann immer an der Stelle, wenn meine Mutter oder mein Vater das Streichholzk\u00e4stchen zur Hand nahmen und an der ernsten Stimme und dem Blick, der uns dann festhielt, merkten wir Kinder, wie wichtig ihnen das war, dass wir Kinder verstanden, dass Feuer kein Spielzeug ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit gro\u00dfen Augen schaute ich zu meiner Mutter, die das Streichholzsch\u00e4chtelchen meinem Vater \u00fcbergab. Der wiederum \u00f6ffnete es, hielt kurz ein, drehte sich zu mir und sagte: &#8220;Willst du es heute mal versuchen?&#8221;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auweia!<br \/>\nIch, die Mutige, die gerade noch 2 Stufen auf einmal die Treppe runter geh\u00fcpft war, wurde ganz still. Ich schaute meinen Vater mit gro\u00dfen \u00e4ngstlichen Augen an.<br \/>\nMein Vater, der genau merkte, wie unsicher ich war, strich mir mit seiner warmen Hand \u00fcber die Wange und sagte: &#8220;Du musst keine Angst haben, ich bin ja hier und helfe dir!&#8221;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vorsichtig zog er die kleine graue Schachtel aus dem Streichholzk\u00e4stchen, in dem sich die H\u00f6lzchen mit den roten Schwefelk\u00f6pfen befanden und hielt es mir entgegen.<br \/>\nNoch z\u00f6gernd griff ich hinein und nahm eines der kleinen H\u00f6lzchen heraus. Ich hielt mir das H\u00f6lzchen noch einmal vor die Augen, um es genau anzuschauen. So aus der N\u00e4he hatte ich es vorher ja nie betrachten k\u00f6nnen. Eigentlich sah es ziemlich ungef\u00e4hrlich aus, aber ich wusste ja auch, dass es erst dann, wenn es brannte, gef\u00e4hrlich war.<br \/>\nMein Vater hielt mir die Streichholzschachtel entgegen. &#8220;Da, an den Seiten, da musst du entlang streichen, damit es brennt und fass sch\u00f6n weit hinten an, sonst wird es schnell hei\u00df an den Fingern.&#8221;<br \/>\nSchnell schaute ich noch zu meiner Mutter und zu meinem Bruder r\u00fcber, die mich freundlich anl\u00e4chelten.<br \/>\nMit einem &#8220;Ratsch&#8221; lie\u00df ich das H\u00f6lzchen \u00fcber die Z\u00fcndfl\u00e4che gleiten und mit einem kurzen Knistern erschien eine gro\u00dfe Flamme, die zuerst blau aufleuchtete und dann ein klein wenig in sich zusammensackte, um dann in einem tiefen gelb weiter zu brennen.<br \/>\nWas ich noch nie vorher bemerkt hatte, es gab einen kleinen dunklen Tropfen in der Flamme, die sich nun vor meinen Augen ganz leicht bewegte.<br \/>\n&#8220;Aus!&#8221;<br \/>\nMein Vater hatte das Streichholz ausgepustet. In meiner Faszination um die Flamme hatte ich gar nicht bemerkt, wie weit das Streichholz schon runtergebrannt war und h\u00e4tte er nicht gepustet, h\u00e4tte ich mir die Finger verbrannt.<br \/>\nAuf was man auch alles achten musste, wenn man so ein Streichholz entz\u00fcndet.<br \/>\n&#8220;Wir nehmen noch eins und dann z\u00fcndest du die erste Kerze an&#8221;, sagte er mein Vater zu mir.<br \/>\nUnd so strich ich wieder mit einem neuen Z\u00fcndh\u00f6lzchen \u00fcber das K\u00e4stchen und ganz vorsichtig, damit auch ja die Flamme nicht aus ging, z\u00fcndete ich die erste der vier dicken roten Kerzen an.<br \/>\nDer lange Docht flackerte ein wenig, als die Kerze Feuer nahm, um dann in ein ruhiges warmes Licht \u00fcberzugehen. Dieses Mal pustete ich selbst das Streichh\u00f6lzchen aus.<br \/>\nDie Kerze tauchte das Esszimmer in ein warmes helles Licht, doch das Strahlen in meinem Gesicht \u00fcber den Erfolg und sie anz\u00fcnden zu d\u00fcrfen, war heller.<br \/>\nSogar mein Bruder, der ja eigentlich morgens eher muffelig war, freute sich mit mir.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und so sah man vor vielen Jahren ein kleines sechsj\u00e4hriges M\u00e4dchen beh\u00fctet und noch lange im Kreis ihrer Familie am Adventsfr\u00fchst\u00fcckstisch sitzen und eine dicke rote Kerze beobachten.<br \/>\nEin klein wenig erwachsener war sie heute geworden und sie hatte Verantwortung \u00fcbernehmen d\u00fcrfen. Die W\u00e4rme und das Gef\u00fchl von Behaglichkeit, welches diese besondere Adventskerze, die sie hatte anz\u00fcnden d\u00fcrfen, verstr\u00f6mt hatte, nahm sie mit als Erinnerung in ihr Erwachsenenleben und auch heute, nach vielen Jahren, roch sie immer noch gerne den Schwefelduft des H\u00f6lzchens, der die erste dicke rote Adventswachskerze knisternd zum Brennen brachte.<\/p>\n<p>A. Schmiemann<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war Vorweihnachtszeit und bei vielen Menschen Tradition, ein Adventsgesteck oder einen Adventskranz zuhause aufzustellen. Die, die es schlicht mochten, nahmen daf\u00fcr eine dicke Kerze und legten etwas Tannengr\u00fcn und ein paar Beeren des Waldes drumherum. 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