{"id":2442,"date":"2014-12-24T09:27:56","date_gmt":"2014-12-24T07:27:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schbazl.de\/wordpress\/?p=2442"},"modified":"2014-12-24T09:27:56","modified_gmt":"2014-12-24T07:27:56","slug":"nussknacker-und-maeusekoenig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schbazl.de\/wordpress\/nussknacker-und-maeusekoenig\/","title":{"rendered":"Nussknacker und M\u00e4usek\u00f6nig"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/schbazl.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/DSC_7820_10_b.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2452\" src=\"https:\/\/schbazl.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/DSC_7820_10_b.jpg\" alt=\"Weihnachten im Schnee\" width=\"850\" height=\"569\" srcset=\"https:\/\/schbazl.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/DSC_7820_10_b.jpg 850w, https:\/\/schbazl.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/DSC_7820_10_b-150x100.jpg 150w, https:\/\/schbazl.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/DSC_7820_10_b-300x200.jpg 300w, https:\/\/schbazl.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/DSC_7820_10_b-448x300.jpg 448w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Weihnachtsm\u00e4rchen von E.T.A. Hoffmann (1776-1822)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am vierundzwanzigsten Dezember durften die Kinder des Medizinalrats Stahlbaum den ganzen Tag \u00fcber durchaus nicht in die Mittelstube hinein, viel weniger in das daran sto\u00dfende Prunkzimmer. In einem Winkel des Hinterst\u00fcbchens zusammengekauert sa\u00dfen Fritz und Marie, die tiefe Abendd\u00e4mmerung war eingebrochen, und es wurde ihnen recht schaurig zumute, als man, wie es gew\u00f6hnlich an dem Tage geschah, kein Licht hereinbrachte. Fritz entdeckte ganz insgeheim wispernd der j\u00fcngeren Schwester (sie war eben erst sieben Jahre alt geworden), wie er schon seit fr\u00fchmorgens es habe in den verschlossenen Stuben rauschen und rasseln und leise pochen h\u00f6ren. Auch sei nicht l\u00e4ngst ein kleiner dunkler Mann mit einem gro\u00dfen Kasten unter dem Arm \u00fcber den Flur geschlichen, er wisse aber wohl, dass es niemand anders gewesen als Pate Drosselmeier. Da schlug Marie die keinen H\u00e4ndchen vor Freude zusammen und rief:<!--more--> &#8220;Ach, was wird nur Pate Drosselmeier f\u00fcr uns Sch\u00f6nes gemacht haben.&#8221; Der Obergerichtsrat Drosselmeier war gar kein h\u00fcbscher Mann, nur klein und mager, hatte viele Runzeln im Gesicht, statt des rechten Auges ein gro\u00dfes schwarzes Pflaster und auch gar keine Haare, weshalb er eine sehr sch\u00f6ne wei\u00dfe Per\u00fccke trug, die war aber von Glas und ein k\u00fcnstliches St\u00fcck Arbeit. \u00dcberhaupt war der Pate selbst auch ein sehr k\u00fcnstlicher Mann, der sich sogar auf Uhren verstand und selbst welche machen konnte. Wenn daher eine von den sch\u00f6nen Uhren in Stahlbaums Hause krank war und nicht singen konnte, dann kam Pate Drosselmeier, nahm die Glasper\u00fccke ab, zog sein gelbes R\u00f6ckchen aus, band eine blaue Sch\u00fcrze um und stach mit spitzen Instrumenten in die Uhr hinein, so dass es der keinen Marie ordentlich wehe tat, aber es verursachte der Uhr gar keine Schaden, sondern sie wurde viel mehr wieder lebendig und fing gleich an recht lustig zu schnurren, zu schlagen und zu singen, wor\u00fcber denn alles gro\u00dfe Freude hatte. Immer trug er, wenn er kam, was h\u00fcbsches f\u00fcr die Kinder in der Tasche, bald ein M\u00e4nnlein, das die Augen verdrehte und Komplimente machte, welches komisch anzusehen war, bald eine Dose, aus der ein V\u00f6glein heraush\u00fcpfte, bald was anderes. Aber zu Weihnachten, da hatte er immer ein sch\u00f6nes k\u00fcnstliches Werk verfertigt, das ihm viel M\u00fche gekostet, weshalb es auch, nachdem es einbeschert worden, sehr sorglich von den Eltern aufbewahrt wurde. &#8211; &#8220;Ach, was wird nur Pate Drosselmeier f\u00fcr uns sch\u00f6nes gemacht haben&#8221;, rief nun Marie, Fritz meinte aber, es k\u00f6nne wohl diesmal nichts anders sein, als eine Festung, in der allerlei sehr h\u00fcbsche Soldaten auf &#8211; und abmarschierten und exerzierten, und dann m\u00fcssten andere Soldaten kommen, die in die Festung hinein wollten, aber nun sch\u00f6ssen die Soldaten von innen tapfer heraus mit Kanonen, dass es t\u00fcchtig brauste und knallte. &#8220;Nein, nein,&#8221; unterbrach Marie den Fritz, &#8220;Pate Drosselmeier hat mir von einem sch\u00f6nen Garten erz\u00e4hlt, darin ist ein gro\u00dfer See, auf dem schwimmen sehr herrliche Schw\u00e4ne mit goldenen Halsb\u00e4ndern herum und singen die h\u00fcbschesten Lieder. Dann kommt ein keines M\u00e4dchen aus dem Garten an den See und lockt die Schw\u00e4ne heran und f\u00fcttert sie mit s\u00fc\u00dfem Marzipan.&#8221; &#8220;Schw\u00e4ne fressen kein Marzipan&#8221;, fiel Fritz etwas rau ein, &#8220;und einen ganzen Garten kann Pate Drosselmeier auch nicht machen. Eigentlich haben wir wenig von seinen Spielsachen; es wird uns ja alles gleich wieder weggenommen, da ist mir denn doch das viel lieber, was uns Papa und Mama einbescheren, wir behalten es fein und k\u00f6nnen damit machen, was wir wollen.&#8221; Nun rieten die Kinder hin und her, was es wohl diesmal wieder geben k\u00f6nne. Marie meinte, dass Mamsell Trutchen (ihre gro\u00dfe Puppe) sich sehr ver\u00e4ndere, denn ungeschickter als jemals, fiele sie jeden Augenblick auf den Fu\u00dfboden, welches ohne garstige Zeichen im Gesicht nicht abginge, und dann sei an Reinlichkeit in der Kleidung gar nicht mehr zu denken. Alles t\u00fcchtige Ausschelten helfe nichts. Auch habe Mama gel\u00e4chelt, als sie sich \u00fcber Gretchens kleinen Sonnenschirm so gefreut. Fritz versicherte dagegen, ein t\u00fcchtiger Fuchs fehle seinem Marstall durchaus, sowie seinen Truppen g\u00e4nzlich an Kavallerie, das sei dem Papa recht gut bekannt. &#8211; So wussten die Kinder wohl, dass die Eltern ihnen allerlei sch\u00f6ne Sachen eingekauft hatten, die sie nun aufstellten, es war ihnen aber auch gewiss, dass dabei der liebe heilige Christ mit gar freundlichen frommen Kinderaugen hineinleuchte, und dass, wie von segensreicher Hand ber\u00fchrt, jede Weihnachtsgabe herrliche Lust bereite wie keine andere. Daran erinnerte die Kinder, die immerfort von den zu erwarteten Geschenken wisperten, ihre \u00e4lter Schwester Luise, hinzuf\u00fcgend, dass es nun aber auch der heilige Christ sei, der durch die Hand der lieben Eltern den Kindern immer das beschere, was ihnen wahre Freude und Lust bereiten k\u00f6nne, das wisse er viel besser als die Kinder selbst, die m\u00fcssten daher nicht allerlei w\u00fcnschen und hoffen, sondern still und fromm erwarten, was ihnen beschert worden. Die kleine Marie wurde ganz nachdenklich, aber Fritz murmelte vor sich hin: &#8220;Einen Fuchs und Husaren h\u00e4tt` ich nun einmal gern.&#8221;<br \/>\nEs war ganz finster geworden. Fritz und Marie, fest aneinanderger\u00fcckt, wagten kein Wort mehr zu reden, es war ihnen, als rausche es mit linden Fl\u00fcgeln um sie her und als lie\u00dfe sich eine ganz ferne, aber sehr herrliche Musik vernehmen. Ein heller Schein streifte an der Wand hin, da wussten die Kinder, dass nun das Christkind auf gl\u00e4nzenden Wolken fortgeflogen zu andern gl\u00fccklichen Kinder. In dem Augenblick ging es mit silberhellem Ton: Klingling, klingling, die T\u00fcren sprangen auf, und solch ein Glanz strahle aus dem gro\u00dfen Zimmer hinein, dass die Kinder mit lautem Ausruf: &#8220;Ach! &#8211; Ach!&#8221; wie erstarrt auf der Schwelle stehen blieben. Aber Papa und Mama traten in die T\u00fcre, fassten die Kinder bei der Hand und sprachen: &#8220;Kommt doch nur, kommt doch nur, ihr lieben Kinder, und seht, was euch der Heilige Christ beschert hat.&#8221;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weihnachtsm\u00e4rchen von E.T.A. Hoffmann (1776-1822) Am vierundzwanzigsten Dezember durften die Kinder des Medizinalrats Stahlbaum den ganzen Tag \u00fcber durchaus nicht in die Mittelstube hinein, viel weniger in das daran sto\u00dfende Prunkzimmer. 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